Hier teile ich meine alltäglichen Ereignisse und Themen als T1D Mama.

It’s hack o’clock! Skincare Pflasterstelle

In unserem Alltag ist das Wechseln der Insulinpumpe und des Sensors allgegenwärtig. Die Pumpe muss alle 3 Tage die Stelle wechseln, der Sensor alle 10 Tage. Dabei muss die Haut unseres Sohnes viel mitmachen. Wir versuchten von Anfang so gut es geht zu pflegen und haben schnell gemerkt, wie wichtig das Thema Pflaster ablösen und Hautpflege der „alten Stellen“ sein kann. Zum Einen sind die möglichen Stellen zur Anbringung der Tools ohnehin auf dem kleinen Kinderkörper begrenzt und zum Anderen muss man die Bereiche auch unbedingt gut wechseln und erholen lassen. Neben der Pflege der Pflaster- und Einstichstellen ist nämlich auch wichtig, dass das Insulin regelmäßig an anderen Körperbereichen injiziert wird. Das Hormon Insulin hat eine blockierende Wirkung für die Fettverbrennung, das bedeutet, sollte man zu oft an der Lieblingsstelle spritzen, können Knötchen im Unterhautfettgewebe entstehen. Diese Verhärtungen verursachen, dass das Insulin nicht mehr zuverlässig aufgenommen werden kann und die Wirkung eingeschränkt stattfindet. Diese verhärteten Knötchen brauchen entsprechend viel länger, bis sie sich wieder abbauen und erholen, am besten kommt es daher nie dazu.

Zum Pflaster ablösen haben wir im Grunde zwei Lieblingsprodukte, die beide sowohl bei der Pumpe als auch bei dem Sensor gut funktionieren.

Unser Favorit ist von Lancôme der Bi Facil Augen Make-Up Entferner – das blaue Zauberwasser. Wir lassen es großzügig auf das Pflaster am Arm oder Bein tröpfeln und gewähren gute 5 Minuten Einwirkzeit. Danach lässt sich das Pflaster schmerzfrei und langsam abziehen. Mit einem Wattepad nutze ich das übrige Produkt am Arm, um die Kleberänder abzuwischen und dann lassen wir die Stelle erstmal lüften und atmen. Alternativ hat sich auch das Pflasterentferner Spray „Brava“ aus der Apotheke bewährt. Auch damit lässt sich das Pflaster einwandfrei lösen, es bleibt nur etwas gelöster Kleber immer zurück, welchen man am besten mit etwas Alkohol abwischt.

Danach lassen wir die Stelle immer erstmal an der Luft, gut und gerne mal 15 Minuten. Dabei kann sich die kleine Einstichstelle schließen. Im Anschluss pflegen wir mit einer feuchtigkeitsspendenden Lotion aus der Apotheke, die wir dann auch täglich auf alle unbenützte Stellen des Körpers geben und die Haut gut damit pflegen. Hier lieben wir den Atoderm intensive baume von Bioderma.

Zur Neuanbringung der Tools verwenden wir dann übrigens ganz einfache Alkoholtupfer Softa Swabs von Braun aus der Apotheke.

Übrigens Mutter Natur heilt dann doch am besten. Ein paar Badeeinheiten im Meer lassen alle kleinen Wunden wie durch ein Wunder verblassen.

What’s in my head? Großeltern-Edition

Vorneweg möchte ich einmal erwähnen, wie viel Arbeit, Zeit und vor allem Mut es von unseren Eltern gebraucht hat, nach der Diagnose wieder die Betreuung des Kleinen zu übernehmen. Nun ging ja plötzlich so viel mehr Verantwortung und Koordination mit einher, natürlich schwingt auch ein wenig mehr Angst und Unsicherheit mit, aber die Liebe zum Enkelkind siegte schlussendlich und wir haben zumindest diese Normalität wieder für unseren Kleinen herstellen dürfen.

Eine große Besonderheit und wahrer Schatz für alle Familienmitglieder sind die kleinen oder größeren Auszeiten mit den Großeltern. Der Kleine kann sich vor Vorfreude fast nicht halten und für mich sind Oma und Opa auch elementare Wegbegleiter, so sieht doch eine unbekümmerte, unbeschwerte, federleichte Kindheit aus! Diese Freiheit selbstbestimmt mit Oma und Opa Zeit zu verbringen ist einfach unglaublich toll. Vor der Diagnose haben wir bereits sehr früh damit begonnen, den Kleinen mit den Großeltern viel Zeit verbringen zu lassen – auch allein. Nach unserer Rückkehr aus Neuseeland mit den vielen Fragezeichen im Gepäck sind wir erstmalig vor unseren Eltern gestanden und haben erklärt, erklärt, erklärt. Viele Fragen wurden gestellt, Unsicherheiten kamen auf, Angst hat sich gezeigt – es wurde wieder viel erklärt und gezeigt und beschrieben. Es gibt so viele Eventualitäten und der Sonderfall ist üblicherweise die Regel und nicht die Ausnahme. Die guten Phasen sind unregelmäßig, das Schwanken ist an der Tagesordnung, besonders in diesen jungen Jahren, nur zweieinhalb Jahre jung und 16 Kilogramm schwer. Also waren die ersten Aufenthalte sicher sehr unangenehm, nicht wirklich für uns, denn wir vertrauten immer unseren Eltern. Es gab ganz bestimmt viele schreckliche Situationen, die unsere Eltern erlebten, uns ging es ja nicht anders. Aber man muss selbst einfach durch diese Phase, denn dann erschüttert einen nichts mehr so schnell und man wird sogar richtig cool. Stolz können wir nun sagen, dass sich die vielen Mühen wirklich ausgezahlt haben und der Kleine nun wieder einmal zu seinen Großeltern darf, um ein paar Tage Urlaub von seinen Eltern und dem eigenen Kindergarten-Alltag zu haben – einfach fantastisch.

  • Better save then sorry
    Im Packen sind wir mittlerweile routiniert. Besonders für T1D sind die notwendigen Basics immer vorrätig und sortiert bei uns zu Hause. Hypo Treats wie Saft, Marshmallow oder Riegel sind bereits bei Oma und Opa vor Ort, den nächtlichen Haferdrink bringen wir meist immer frisch mit. Individuell je nachdem wie lange der Kleine bleibt, stellt sich das T1D Paket so zusammen: Wir geben immer doppelt so viele Sensoren, Insulin-Pumpen, sowie frisches Insulin mit, als man im Normalfall benötigen würde. Ansonsten wird alles andere genauso gepackt, wie bei allen anderen Kindern ohne chronischer Erkrankung: Ausreichend Kleidung, das Lieblingskuscheltier, die Gute-Nacht-Lektüre, ein Babyphone und irgendein Highlight aus dem umfangreichen Fuhrpark des Kleinen wird mitgenommen. Je nach Jahreszeit kommt auch noch das Fahrrad oder der Schlitten-Bob in den Kofferraum.
  • Business as usual
    Bei den Großeltern angekommen beginnt sofort die Qualitytime und der Garten wird mit allen Spielsachen erkundet. Generell ist der Kleine oftmals viel aktiver und bewusster in der Natur unterwegs, dass wir ganz oft pauschal schon mal die Pumpe in den Aktivitätsmodus schalten. Nach einer intensiven Übergabe und individuellen Abstimmung, welches Essen aktuell gut getreated werden kann, welches aktuell etwas kniffliger wäre und wie die Nächte denn aktuell verlaufen, verabschieden wir uns meist nach einer ersten gemeinsamen Nacht zum Ankommen. Danach kommt der Abschied – wir verabschieden uns aber niemals von den Werten, Alarmen und stehen auch aus der Ferne zu jeder Tages- und Nachtzeit bei Rückfragen mit Rat und Tat zur Seite. Mit der Zeit grooven sich unsere Eltern immer besser ein und bekommen ein richtig gutes Gefühl, welche Zwischensnacks den Unterzucker vermeiden und wann man die Aktivitätszeiten besser auf die Insulingabe oder den Aktivitätsmodus abstimmt. Sodann sind wir von Tag zu Tag immer weniger am Hörer oder gefragt, nur die drohnenden, schwereren Unterzucker oder das Wechseln einer Pumpe oder Sensors müssten abgestimmt werden. Es ist so toll zu sehen, welch ein Vertrauen auch der Kleine einfach mitbringt und im Gegenzug, wie toll auch die Großeltern in ihrer neuen Bonusrolle aufgehen.

Wir sind so dankbar über diese Unterstützung, denn die Betreuung von einem Kind mit Typ 1 Diabetes ist nicht wirklich kompliziert. Es hört aber einfach nie auf, es gibt keine Pause – niemals. Man muss ständig, wenn auch manchmal nur leise oder unterbewusst, einen klaren Kopf bewahren, Situationen bewerten, Entscheidungen treffen, den Kurs ändern oder auch mal nur die Augen zu machen und hoffen. Noch dazu ist es das Schönste, wenn die Enkelkinder die Herzen der Großeltern erobern dürfen. Für meinen Teil musste ich mich beim ersten Mal erst wieder daran gewöhnen abzugeben, aber mit der Sicherheit im Hintergrund fiel mir das garnicht so schwer wie gedacht – da bin ich selbst schon ein bisschen stolz auf mich.

Am liebsten würden wir beide laut losschreien

Der Tag startete perfekt mit bester Laune und Lieblingsfrühstück. Das kleine Low in der Nacht gehört ja zum guten Ton und ist sogleich wieder vergessen. Alles eingepackt und los gehts, heute macht der Kindergarten einen Ausflug ins Kindertheater. In der Gruppe angekommen herrscht Vorfreude und die Kinder können noch eine Runde mit den Spielzeugautos spielen.

Ich verabschiede mich & checke wie immer noch ein letztes Mal den Blutzucker. Mist – Doppelpfeil nach oben und über 14! Das kann doch nicht sein. Ich zweifle zuerst am Frühstück, am Timing, an der Kalkulation. Aber als ein weiterer Sprung auf über 16 erfolgt, wird mir klar: Die Technik funktioniert nicht richtig. Ich warte noch zwei Messungen ab, aber die Tendenz ist weiter so stark steigend, die Pumpe scheint nicht richtig zu sitzen nach dem letzten Wechsel. Das sind nun die schweren, unschönen Momente, in denen ich Schreien, Weinen & Loslaufen möchte, aber das kann ich nicht und darf ich nicht. Das Wichtigste in diesem Moment: Ruhe bewahren und nichts anmerken lassen. Die wahren Gefühle in mir zurückdrängen und eine schnelle Lösung erarbeiten. Wie können wir den Vormittag nun noch retten? Welche Alternativen kann ich kurzfristig erwirken? Überbrücken wir mit Pen? Kommen wir zum Theater nach? Riskiere ich eine Stunde hohen Blutzucker?

Aber dann ist es schon passiert, der hohe Wert ist für den Kleinen einfach zu viel & die Stimmung kippt wegen einer Kleinigkeit. Das sind nun Situationen, die mich am meisten fordern und sehr stark reizen. Ich muss nun verständnisvoll sein, ruhig bleiben und versuchen weiter auf Kurs zu bleiben. Aber das ist nicht so leicht, denn neben dem Ärgernis muss ich dem Kleinen nun Sicherheit und Ruhe vermitteln. Wir können ja nun schließlich nicht beide losschreien, auch wenn das die ehrlichste Reaktion wäre. Ich habe mich entschieden doch noch schnell eine neue Pumpe zu setzen. Aber insgeheim ist mir klar, der Vormittag ist erstmal durch. Wir warten gemeinsam bis sich die Werte wieder regulieren und überlegen uns dann ein schönes Alternativprogramm. Schade, normal sieht anders aus. Leider wieder einmal um eine schöne, besondere Kindheitserinnerung bestohlen worden und ein weiterer Tag ist fremdgesteuert anders verlaufen. Es zerreißt mir ein wenig das Mamaherz.

What’s in my head? Kindergarten-Edition

So normal wie sich unser Alltag mittlerweile für uns anfühlt, möchte ich dennoch gerne einen kleinen Einblick in die vielen Entscheidungen und Überlegungen eines üblichen Tages im Kindergarten geben. Von Aussen wirkt man meist ruhig, überlegt und locker. Im Inneren kann es ganz anders aussehen. Ich wäge ab, rechne, schätze, hoffe, überspiele, rechne nochmal, wiege nach, ärgere mich, bin unsicher, habe Angst, fühle mich stark und drücke auch manchmal beide Augen zu und lächle.

  • Breaking Dawn
    Schlafenszeit, normalerweise. Oder ein Low irgendwann zwischen 3 und 5 Uhr. Bedeutet für uns: Den Kleinen kurz wecken, 50ml Haferdrink geben und meist innerhalb von 15 Minuten wieder einschlafen.
  • Happy Breaky
    Nach dem Wach-Werden machen wir uns fertig und dann schätze ich zum ersten Mal den Hunger des Kleinen ab. Dann bereite ich ein Frühstück vor, kalkuliere, wiege, rechne und gebe in etwa die Kohlenhydrate für die vorbereitete Portion ein. Je nachdem wie sich das Frühstück zusammenstellt, gebe ich die Carbs vor, während oder nach dem Essen in das PDM (Pumpen-Steuergerät) ein. Und abhängig vom Programm im Kindergarten, starten wir dann direkt in den Aktivitätsmodus, dieser drosselt die Insulin-Pumpe. Man merkt schon jetzt: Es gibt viele je nachdem’s, ob und wenn’s, abhängig von und entweder oder.
  • Kindergarten, nicht Mamagarten
    Die Werte zum Start im Kindergarten sollten passen, gerne mit etwas Puffer erhöht, aber dennoch gut reguliert, damit die Stimmung und das Wohlbefinden passt. Und dann ist es ein kleines Glücksspiel – jeden Tag. Ist die Aufregung groß, gibt das Adrenalin die Tendenz nach oben vor. Powern sie sich richtig aus, kann es auch mal ganz schön schnell nach unten gehen. Ich habe die Werte ständig im Blick und wir können mit den Erziehern wirklich zu jeder Zeit toll kommunizieren. Oftmals ändert sich die Taktik und Herangehensweise innerhalb von Minuten. Zum Mittagessen komme ich wieder in die Einrichtung. Im Kindergarten angekommen checke ich jedes Mal den Essenskalender und schätze vorab die erste Portion und darin enthaltenden Kohlenhydrate ab. Mit der schlauchlosen Omnipod5 Pumpe kann ich ganz toll auch von aussen Insulin geben, ohne dass ich den Spielfluss des Kleinen stören muss. Die Erzieher wiegen die Portionen für mich ab und wir halten uns ständig auf dem Laufenden über die gegessenen Mengen.
  • Ruhezeit, meine Stunde der Wahrheit
    Nach dem Mittagessen begeben sich alle Kinder in die Ruhezeit, das bedeutet für die Kinder ein wenig ruhiger einem Hörspiel zuhören, ein Buch lesen oder sich gemütlich mit dem Kuscheltier hinlegen. Für mich bedeutet es meistens das Gegenteil. Denn in dieser Stunde zeigt sich immer, wie die Essenskalkulation und das gegebene Insulin zusammenpasst. Zugegebenermaßen ist leider eine große Schwankung die Regel, zu viele Faktoren beeinflussen einfach drumherum. Mein Ziel ist es aber möglichst linear zu bleiben, das bedeutet viel Lernen, Üben und spontan bleiben.
  • Der Nachmittag
    Von der Einrichtung abgeholt geht es meist nach Hause. Üblicherweise steigen seine Werte immer bei der Heimfahrt, sodass ich eine Korrektur vornehmen muss. Wenn ich die Werte gut eingefangen habe, machen wir meistens eine kleine Snackrunde am Nachmittag. Diese hat in der Regel keinen Einfluss auf den Blutzucker, da der Snack sich aus ein paar Pistazien, Mandeln, Erdnüssen oder frischem Gemüse wie Gurke oder Karotte zusammenstellt. Und wenn wir einen kleinen Stupser brauchen, reicht etwas Apfel, Birne, Banane, Trauben oder anderes Obst – das liebt er sowieso.
  • Dinner for type 1
    Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein frühes Abendessen mit weniger Kohlenhydraten für einen guten Werteverlauf während der Nacht sorgen und daher auch zu einem sehr erholsamen, ruhigen Schlaf führen. Also starten wir schon früh ins Abendessen und genießen danach noch etwas Spielzeit zusammen. Das ist auch perfekt, um den Kurvenverlauf nach dem Essen noch etwas zu beobachten und rechtzeitig Maßnahmen einzuleiten.
  • Bedtime stories
    Eine so wertvolle Zeit zu zweit ist das abendliche Buchlesen vor dem Schlafengehen. Zum Einen nutzen wir diese Zeit, um den Tag gemeinsame Revue passieren zu lassen und die schönsten Erlebnisse miteinander zu teilen. Zum Anderen kann ich hier einen drohenden Unterzucker charmant mit etwas Milch zum Buchlesen umspielen. Unser wichtigstes Ziel für die Nacht ist nämlich, den Low-Alarm so gut es geht zu vermeiden. Denn eine sehr gute Zahnhygiene ist uns ebenso wichtig, wie die Blutzuckerkurve. Daher kann man sich vorstellen, dass das Zähne putzen nach einem Unterzucker um 3 Uhr früh kein so großer Spass ist. Sweet dreams!

Cool kids only

Ein schriller Ton der die Ruhe der Nacht durchbricht. Natürlich habe ich mein inneres Notfallsystem kalibriert und die Sensibilität zum alltäglichen Ton-und Piepse-Halleluja ist stets auf höchster Stufe. Es läuft immer ähnlich: Ich schlafe – meist sehr gut und tief. Ich höre. Ich verifiziere. Und dann stehe ich ohne zu zögern auf. Der Körper verfällt sofort in einen fitten & fähigen Modus, nur so lassen sich Entscheidungen oder Lösungen sofort treffen.

In unserem Fall von heute Nacht: Fehlermeldung beim Sensor. Aber leider die Worst-Case-Meldung, der Sensor geht nicht mehr und man muss sofort einen Neuen setzen. Wir wägen nur ganz kurz ab, die Nacht ohne Sensorwert zu verbringen, aber im Closed-Loop-System mit der Insulinpumpe ist das nicht sehr ratsam, noch dazu durchleben wir mal wieder eine Honeymoonphase und die Werte machen was sie wollen. Als ich langsam den Arm frei lege und desinfizieren will, fängt unser schlafender Sohn an mit mir zu sprechen. Er ist ebenfalls sehr routiniert und klärt eben noch mit mir ab, warum denn der Sensor kaputt ging und er ja jetzt eine kleine Folge seiner Lieblingsserie beim Anbringen des Sensors anschauen dürfe. Also sitzen wir an einem ganz normalen Donnerstag um 1 Uhr nachts mit Taschenlampe im Kinderzimmer meines 3-Jährigen, schauen Bluey mit meinem Iphone im Bett währenddessen wir mit einem neuen Sensor unser Glück versuchen.

Hätte man mir diese Situation vor einem Jahr beschrieben, hätte ich nahezu alles daran verurteilt. Keine Bildschirm-Zeit, besonders nicht im Schlafzimmer und nochdazu keine bunten, wilden Kinderserien wie Paw Patrol und Co. So ändern sich Prioritäten und besonders – der Blick für das Richtige. Natürlich versuchen wir in jeder Sekunde abzulenken, Schmerzen zu lindern und am Wichtigsten: Positiv zu bleiben. Mir ist die positive Assoziation mit T1D so wichtig, denn es wird ja immer ein Teil von uns sein und daher haben wir uns entschieden, die Zeit zusammen mit BIG D so schön wie möglich zu gestalten.

Nach etwas über 5 Minuten ist alles erledigt: Sensor gesetzt & Serie ist geguckt. Und nun? Mit einer Selbstverständlichkeit packen wir die Handys weg, die Taschenlampe aus und wir starten alle wieder ins Land der Träume. Also ich dann nach dem Aufwärmen des Sensors in 25 Minuten.

Die größte Bewunderung gilt aber wieder meinem Sohn: Denn wer wacht mitten in der Nacht mit einer Gelassenheit auf, lässt sich mal gemütlich eine neue Kanüle in den Oberarm setzen und macht nach (nur) einer Mini-Kinderfolge anstandslos das Handy aus und schläft unmittelbar danach wieder ein, so als ob garnichts gewesen wäre? Also der Kleine ist schon ziemlich cool & selbst in dieser Nacht geht er mit so gutem Beispiel voran, dass man mit Gelassenheit und Ruhe selbst die nervigsten Situationen friedlich und positiv meistern kann – ein richtiges cool kid eben.

Wie alles begann

Mit seinem Schalk im Nacken, seiner aufmerksamen Art und am liebsten immer ganz viel Rabatz – so würde es zumindest Janosch in seinen Büchern beschreiben – kennen wir unseren damals zweijährigen Sohn. Eine ganz wundervolle unkomplizierte Schwangerschaft, gefolgt von einer reibungslosen & schnellen natürlichen Geburt starteten wir in ein unbeschwertes gesundes Leben. Schon früh war unser Kleiner am Entdecken seiner Umwelt und entwickelte sich prächtig. Die ersten zwei Jahre seines Lebens verbrachten wir größtenteils als Familie zusammen, viele Reisen, viele gemeinsame Momente und schon früh legten wir Wert auf eine gepflegte und gesunde Esskultur & Lebensweise. Dies soll uns im Nachhinein sehr Entgegenkommen, aber davon wussten wir bis Ende Februar 2025 nichts. Der Tag sollte unser Leben komplett auf den Kopf stellen.

Wir befanden uns bereits seit Wochen auf einer großen Reise am anderen Ende der Welt. Neuseeland – unser Lieblingsort zum Seele baumeln lassen, sollte unseren Rucksack des Lebens mit einer weiteren Herausforderung und Aufgabe füllen. Unser Sohn wurde schwer krank und dann ging alles ganz schnell. Das Childrens Hospital in Auckland wusste innerhalb weniger Minuten, welche Stunde es geschlagen hat. Unser Sohn hat Typ 1 Diabetes. Wir wussten nichts, wir erahnten nichts. Wir waren der Annahme unser Sohn zeigt Auffälligkeiten für frühkindliches Asthma. Im Nachhinein lachen wir darüber. Diabetes war für uns immer die Krankheit der Ungesunden, der Alten und Angeschlagenen – doch nicht bei so jungen aufgeweckten Kindern? Wir erkannten einfach keine Symptome, keine Merkmale und wir wussten nichts über das Leben mit T1D.

Aber wir sind nicht allein, nein. Es gibt so viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene über den gesamten Globus verteilt, die nahezu immer den gleichen Ablauf durchlebt haben. Und schnell adaptierten wir auch unseren neuen Alltag, um mit unserem Sohn ein gesundes, liebevolles und uneingeschränktes Leben zu führen. Wir sehen diese Situation nun als Chance auf einen bewussten Lebensstil. Wir wollen nicht missionieren, aber haben durch die Erkrankung einen anderen Blick auf Lebensmittel und sind froh über so viele Erkenntnisse, die uns fortan in der gesamten Familie weiter prägen. Denn eines kann man vorab sagen: Die Ernährungsweise mit T1D entspricht einfach gesagt & genau genommen einem gesunden Lebens- und Ernährungsstil für alle Menschen.

Danke Big D für diese Lektion.

Uns fehlte damals das Wissen, um eine Eskalation verhindern zu können. Wir machen uns keine Vorwürfe, jedoch sprechen wir nun laut darüber. Denn heutzutage haben wir gefühlt unendliche Möglichkeiten zu kommunizieren, um künftig viele Kinder vor der schweren Stoffwechselentgleisung zu bewahren.

Typische und häufige Anzeichen sind:

Extrem starker Durst
Exzessives Urinieren
Großer Appetit und zugleich auffälliger Gewichtsverlust
Schwacher, müder oder auch verwirrter Gemütszustand
Fruchtiger oder nagellackähnlicher Atem
Hyperventilation, sehr tiefe und laute Atmung
Hoher bis sehr hoher Blutzucker (ab 11.1 mmol/l oder 200 mg/dl)
Ketone (im Blut oder Urin nachweisbar)

Wären wir nochmal in der Situation, würden wir schon früher den Kinderarzt konsultieren, denn im Grunde reicht schon ein ganz kleiner Pieks in den Finger und der Mini-Tropfen gibt erste notwendige Informationen.

Weitere Infos zur Erkennung & zum Leben mit T1D gibts hier.

Worüber handelt dieser Blog?

Call me mother P ist ein persönlicher Blog über das Mamasein, sowie die intensive Verantwortung und der besondere Alltag mit einem chronischen Gesundheitsthema in der Kleinfamilie.

Im Mittelpunkt steht nicht die Krankheit, sondern das Leben darum herum. Es geht um Wachsamkeit (meist) ohne Drama und zeigt die besondere Fürsorge im Alltag – der nur funktioniert, weil jeder mitdenkt. Weiterlesen