What’s in my head? Großeltern-Edition
Vorneweg möchte ich einmal erwähnen, wie viel Arbeit, Zeit und vor allem Mut es von unseren Eltern gebraucht hat, nach der Diagnose wieder die Betreuung des Kleinen zu übernehmen. Nun ging ja plötzlich so viel mehr Verantwortung und Koordination mit einher, natürlich schwingt auch ein wenig mehr Angst und Unsicherheit mit, aber die Liebe zum Enkelkind siegte schlussendlich und wir haben zumindest diese Normalität wieder für unseren Kleinen herstellen dürfen.
Eine große Besonderheit und wahrer Schatz für alle Familienmitglieder sind die kleinen oder größeren Auszeiten mit den Großeltern. Der Kleine kann sich vor Vorfreude fast nicht halten und für mich sind Oma und Opa auch elementare Wegbegleiter, so sieht doch eine unbekümmerte, unbeschwerte, federleichte Kindheit aus! Diese Freiheit selbstbestimmt mit Oma und Opa Zeit zu verbringen ist einfach unglaublich toll. Vor der Diagnose haben wir bereits sehr früh damit begonnen, den Kleinen mit den Großeltern viel Zeit verbringen zu lassen – auch allein. Nach unserer Rückkehr aus Neuseeland mit den vielen Fragezeichen im Gepäck sind wir erstmalig vor unseren Eltern gestanden und haben erklärt, erklärt, erklärt. Viele Fragen wurden gestellt, Unsicherheiten kamen auf, Angst hat sich gezeigt – es wurde wieder viel erklärt und gezeigt und beschrieben. Es gibt so viele Eventualitäten und der Sonderfall ist üblicherweise die Regel und nicht die Ausnahme. Die guten Phasen sind unregelmäßig, das Schwanken ist an der Tagesordnung, besonders in diesen jungen Jahren, nur zweieinhalb Jahre jung und 16 Kilogramm schwer. Also waren die ersten Aufenthalte sicher sehr unangenehm, nicht wirklich für uns, denn wir vertrauten immer unseren Eltern. Es gab ganz bestimmt viele schreckliche Situationen, die unsere Eltern erlebten, uns ging es ja nicht anders. Aber man muss selbst einfach durch diese Phase, denn dann erschüttert einen nichts mehr so schnell und man wird sogar richtig cool. Stolz können wir nun sagen, dass sich die vielen Mühen wirklich ausgezahlt haben und der Kleine nun wieder einmal zu seinen Großeltern darf, um ein paar Tage Urlaub von seinen Eltern und dem eigenen Kindergarten-Alltag zu haben – einfach fantastisch.
- Better save then sorry
Im Packen sind wir mittlerweile routiniert. Besonders für T1D sind die notwendigen Basics immer vorrätig und sortiert bei uns zu Hause. Hypo Treats wie Saft, Marshmallow oder Riegel sind bereits bei Oma und Opa vor Ort, den nächtlichen Haferdrink bringen wir meist immer frisch mit. Individuell je nachdem wie lange der Kleine bleibt, stellt sich das T1D Paket so zusammen: Wir geben immer doppelt so viele Sensoren, Insulin-Pumpen, sowie frisches Insulin mit, als man im Normalfall benötigen würde. Ansonsten wird alles andere genauso gepackt, wie bei allen anderen Kindern ohne chronischer Erkrankung: Ausreichend Kleidung, das Lieblingskuscheltier, die Gute-Nacht-Lektüre, ein Babyphone und irgendein Highlight aus dem umfangreichen Fuhrpark des Kleinen wird mitgenommen. Je nach Jahreszeit kommt auch noch das Fahrrad oder der Schlitten-Bob in den Kofferraum. - Business as usual
Bei den Großeltern angekommen beginnt sofort die Qualitytime und der Garten wird mit allen Spielsachen erkundet. Generell ist der Kleine oftmals viel aktiver und bewusster in der Natur unterwegs, dass wir ganz oft pauschal schon mal die Pumpe in den Aktivitätsmodus schalten. Nach einer intensiven Übergabe und individuellen Abstimmung, welches Essen aktuell gut getreated werden kann, welches aktuell etwas kniffliger wäre und wie die Nächte denn aktuell verlaufen, verabschieden wir uns meist nach einer ersten gemeinsamen Nacht zum Ankommen. Danach kommt der Abschied – wir verabschieden uns aber niemals von den Werten, Alarmen und stehen auch aus der Ferne zu jeder Tages- und Nachtzeit bei Rückfragen mit Rat und Tat zur Seite. Mit der Zeit grooven sich unsere Eltern immer besser ein und bekommen ein richtig gutes Gefühl, welche Zwischensnacks den Unterzucker vermeiden und wann man die Aktivitätszeiten besser auf die Insulingabe oder den Aktivitätsmodus abstimmt. Sodann sind wir von Tag zu Tag immer weniger am Hörer oder gefragt, nur die drohnenden, schwereren Unterzucker oder das Wechseln einer Pumpe oder Sensors müssten abgestimmt werden. Es ist so toll zu sehen, welch ein Vertrauen auch der Kleine einfach mitbringt und im Gegenzug, wie toll auch die Großeltern in ihrer neuen Bonusrolle aufgehen.
Wir sind so dankbar über diese Unterstützung, denn die Betreuung von einem Kind mit Typ 1 Diabetes ist nicht wirklich kompliziert. Es hört aber einfach nie auf, es gibt keine Pause – niemals. Man muss ständig, wenn auch manchmal nur leise oder unterbewusst, einen klaren Kopf bewahren, Situationen bewerten, Entscheidungen treffen, den Kurs ändern oder auch mal nur die Augen zu machen und hoffen. Noch dazu ist es das Schönste, wenn die Enkelkinder die Herzen der Großeltern erobern dürfen. Für meinen Teil musste ich mich beim ersten Mal erst wieder daran gewöhnen abzugeben, aber mit der Sicherheit im Hintergrund fiel mir das garnicht so schwer wie gedacht – da bin ich selbst schon ein bisschen stolz auf mich.


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