Honeymoon, nicht immer schön
Honeymoon hört sich romantisch an, oder? Für uns ist es weniger lieblich, es überrascht uns immer mal wieder ganz sauer.
Die Betazellen der Bauchspeicheldrüse sind für die Produktion des Hormons Insulin zuständig und werden bei einem Typ 1 Diabetiker vom eigenen Körper angegriffen. Daher verliert auch in unserem Falle der kleine Kinderkörper von unserem Sohn die Fähigkeit, selbst Insulin zu produzieren und wir übernehmen die Funktion des Pankreas. Es gibt das Phänomen der Remissionphase, einer temporären Erholungsphase. In seiner Willkür gewinnt der Körper wieder an Kraft und es erholt sich ein Teil der insulinproduzierenden Zellen sogar. Bedeutet im Umkehrschluss plötzlich hilft der Körper wieder mit und fängt an Insulin auszuschütten. Leider ohne Vorwarnung und daher immer sehr, sehr schwierig abzuschätzen.
Das sind wirklich immer noch die Momente, die mich erschaudern lassen. Was rutschen uns oft die Herzen in die Hose, wenn die Geräte stark sinkende Werte anzeigen, kombiniert mit einer ordentlichen Menge an gegebenem Insulin zum Essen. Die eindringlichen Alarmen von Pumpe, Sensor, Apple Watch und Handys erklingen und man ist der Situation einfach ausgeliefert. Oftmals müssen wir mindestens die gleiche bis doppelte Menge an Schnellen Zuckern geben, um Schlimmeres zu verhindern. Die Vorstellung ist schrecklich, wenn man selbst schuld wäre und man das eigene Kind so stark überdosiert, dass es schwankt.
In diesen Momenten wird mir immer wieder klar und noch mehr bewusst, dass Insulin eine so gefährlich potente und effiziente Wirkung hat. Ein jedes Mal diesen Mut aufzubringen, zu rechnen, zu dosieren, zu überprüfen und ständig mit dem Kopf irgendwie dabei zu bleiben ist schon eine unglaubliche Verantwortung. Und natürlich wollen wir auch unser Leben frei weiterleben, sodass uns Honeymoon in der Regel ausserhalb des geregelten Alltags kalt erwischt und wir im Notfall schon kreativ sein durften, wenn die Hypo Treats unterwegs knapp werden.
Ganz oft werden wir gefragt, wie das denn sein kann und was man dagegen tun kann? Nun ja, die Antwort ist nichts. Denn Honeymoon kommt und geht wie es will, es gibt keine feste Regel. Jeder Körper ist anders und es gibt auch Menschen, die dieses Phänomen garnicht ereilt.
Daher: Nur beschweren will ich mich auch nicht darüber, denn ein bisschen schützt es unseren Sohn ja auch weiterhin ein wenig vor Folgeschäden an den Organen & und es macht mich auch irgendwie auf eine eigenartige Art glücklich und stolz, dass sein Körper diese lebensnotwendige Fähigkeit zumindest manchmal noch besitzt und theoretisch funktioniert.


Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!