Ein Einblick in unsere kulinarische Vielfalt – wir sind Genussmenschen.

Welcome to the good food club

Nahezu jedes Mal, wenn wir von der Diagnose erzählen und die groben Eckpfeiler der Therapieformen und Wachsamkeit erklären, entstehen offensichtliche riesengroße Fragezeichen in den Gesichtern unseres Gegenübers, wenn es um Ernährung und Lebensmittel geht. Natürlich hat sich unser Blick auf die Teller verändert. Ganz automatisch scannen wir den gedeckten Tisch oder die Speisekarten nach Kohlenhydraten ab, denn das ist in erster Linie mal für uns der wichtigste zu kalkulierende Wert. Aber auch nach dieser Erklärung kommen sehr schnell die nächsten Fragen auf: Was sind denn alles Kohlenhydrate? Und woher weisst du, wie viel in diesem oder jenem steckt? Zuhause ist es natürlich leichter, wir wissen ja nun schließlich was und wie wir kochen. Auswärts ist es anders: Es handelt sich um ein ungefähres Schätzen, ein bisschen Hoffen und Raten, vermischt mit der eigenen Erfahrung und natürlich Google.

Für die meisten Lebensmittel haben wir die Kohlenhydrate im Kopf – wir wissen ungefähr wie viel der kleine Teller Nudeln, das Viertelstück Apfel oder die halbe Breze haben. Aber fast schon euphorisch sind wir, wenn es einmal wie in einer ganz „normalen“ Familie zugehen darf. Kopf aus und einfach leben & genießen.

Um meine Gefühle vielleicht etwas nachvollziehen zu können, möchte ich ein sehr bewusstes Erlebnis teilen: Am Anfang der Diagnose damals wieder zurück in Deutschland gab es für mich einen Moment, der mich zum ersten Mal hat so richtig traurig und wütend werden lassen – ich war total eifersüchtig und neidisch – das kannte ich so nicht von mir. Am Nachbartisch in einem Lokal wurde nämlich für die Kinder in ähnlichem Alter unseres Kleinen bestellt: Völlig sorglos und beliebig. Ohne Kopfrechnen oder Bedenken, wie sich denn das Kinder-Schnitzel mit Pommes und die Apfelschorle jetzt auf den Körper auswirken werden. Es machte mir unverschleiert sichtbar, wie unkompliziert und einfach es doch sein kann. Wie frei und intuitiv die Kinder entscheiden können. Das wollte ich auch. Das wünschte ich mir auch für unsere Familie. Für unseren Kleinen. Aus diesem Moment der Trauer habe ich aber retrospektiv viel Kraft gezogen und eine elementare Entscheidung getroffen. Wir können & werden es genauso schaffen. Mit einigen Ritualen und unserer wundervollen Vielfalt an Lebensmitteln schaffen wir eine gesunde und sorgenfreie Umgebung. Wir eifern nicht dem Schnitzel hinterher, auch wenn es das auch manchmal geben darf, sondern wir gestalten für uns alle zuhause einen bewussten, nährstoffreichen Haushalt – den genussvollsten kulinarischen Raum überhaupt. Focus on the good! Und der fantastische Nebeneffekt: Auch der Seele geht es gut. Win, win, win!

Wir haben über die letzten Monate für uns das perfekte Good Food gefunden, welches man ohne Reue & in adäquaten Mengen auch ohne extra Insulin schnabulieren kann.

  • Oliven, egal ob schwarz, grün, groß oder klein, gefüllt oder mit Kern
  • Prinzessinnen-Bohnen frisch blanchiert mit Fleur de Sel
  • Edamame, frisch blanchiert mit Fleur de Sel
  • Pistazien, Erdnüsse und Walnüsse zum Schälen
  • Artischocke mit Zitronen-Mayo und Schalotten-Vinaigrette
  • Auberginencreme
  • Eier
  • Tomate mit Burrata oder Mozzarrella
  • Parmesan oder Tête de Moine
  • Wurstspezialitäten wie Fenchel- oder Trüffelsalami und Rohschinken
  • Wiener und Leberkäse passend zum Münchner Kindl
  • Kalte Gemüsesuppen wie Gazpacho oder Gurkenkaltschale
  • Garnelen, egal ob eingelegt oder frisch gegart
  • Rohkost wie Gurke, Paprika, Karotte oder Spargel
  • Wasser mit frisch gepresstem Zitronen- oder Grapefruit-Saft
  • Mandelmilch
  • Kokosjogurt clean und ohne Zuckerzusätze
  • Salziges Popcorn
  • Zartbitter-Schokolade
  • Frozen Yoghurt aus Griechischem Jogurt
  • Beeren, wie Blaubeeren, Johannisbeeren, Erdbeeren

Happy Breaky

Die wichtigste Mahlzeit des Tages? Ja definitiv! Wir versuchen jeden Tag mit einem reichhaltigen, balancierten Frühstück zu starten. Denn ein guter Wert am Morgen ermöglicht tatsächlich meist einen ausgeglichenen weiteren Tagesverlauf. Es gibt viele tolle Einflüsse und Ideengeber, die mit köstlichen Granolakreationen, Saftkuren & Smoothies werben. Auch die Industrie hat es vor vielen Jahren clever verkauft, dass ja das Glas Orangensaft und die Cerealien in der Früh die perfekte Grundlage für den Tag liefern.

Jedoch muss ich direkt sagen, diese Richtung haben wir nicht eingeschlagen, denn anhand der Kurven unseres Sohnes wurde nun sofort vieles sichtbar, was ich nie für möglich gehalten habe. Obst in Form von frisch gepresstem Saft zu konsumieren – eine Katastrophe für unseren Blutzucker. Cerealien mit Milch, am besten noch mit Zucker, Honig oder anderen Sirupalternativen gesüßt – eine wahre Kohlenhydrat-Zucker-Bombe. Und auch das leckere „vitale“ Müsli nur mit getrockneten Früchten wie Datteln, Rosinen oder Cranberries verfeinert – keine gute Frühstücksidee. Die heftigste Erkenntnis war in Bezug auf Milch und Milchalternativen, beispielsweise der aktuell so trendy Haferdrink enthält eine derart heftige Zuckerladung, dass wir ihn sogar für die nächtlichen Low’s einsetzen.

Auf Empfehlung einer Freundin bin ich auf eine großartige Begleiterin gestoßen, die seither unser Essverhalten sehr positiv geprägt hat, ohne auf Genuss verzichten zu müssen. Die französische Biochemikerin und Autorin Jessie Inchauspé als @glucosegoddess. Denn es gibt einfach ein paar Tricks, die man ohne Probleme sofort im Alltag etablieren kann. Die gesamte Familie fühlte sich binnen einer Woche besser, gesünder, leichter und freier. Ihren Blog auf Instagram möchte ich daher wärmstens empfehlen.

Im normalen Alltag gestalten wir unser Frühstück mit folgenden gesunden Zutaten, die sich wirklich bewährt haben:

  • Eier, in welcher Form auch immer. In der Regel gibt es jeden morgen ein frisches Rührei oder ein Omelette mit feinem Ziegenfrischkäse
  • Avocado, am liebsten mit körnigem Frischkäse und einem Spritzer Limette und Olivenöl
  • Beeren in ihrer Vielfalt und möglichst saisonal
  • Kokos Jogurt oder Griechischer Jogurt mit etwas Banane
  • Vollkorn- oder Eiweißbrot mit Naturjogurt und einem leckeren Fruchtaufstrich, dünnen Apfelscheiben oder im Sommer bei geschmackvollen Beeren auch einfach die Brombeere gequetscht und als frisches Obst-Topping aufs Brot
  • Käse in beliebiger Form, wie Feta, Burrata, Halloumi oder einfach nur ein Stück von leckerem Parmesan, Emmentaler und Co.
  • Gemüse wie frische Gurke, Paprika, Tomate

Wir alle können schlemmen & genießen und sind danach satt und glücklich!

Wir sind Foodies

Wir sind Foodies und das waren wir immer schon. Wir lieben Lebensmittel! Ihre unendliche Vielfalt und das reizen unserer Geschmacksknospen und das Kennenlernen & Ausprobieren. Schon immer habe ich es geliebt mich in unserer Küche auszutoben und neue Küchenstile kennenzulernen. Ich muss aber zugeben, ich verstehe Essen nun erst jetzt so richtig. Dabei wäre es so einfach, wenn wir ein wenig mehr über Lebensmittel wissen würden, könnten wir im Handumdrehen mit einigen Adaptionen einen gesunden Lebensstil erreichen – inklusive Nascherein und Soulfood versteht sich.

Da wir zuhause immer schon regelmäßig und frisch gekocht haben, mussten wir glücklicherweise nur die Theorie & Eigenschaften der Lebensmittel lernen und los ging die kulinarische Reise. Meine wichtigste Erkenntnis war, dass man jedes Lebensmittel in seinen Glykämischen Index einteilen kann. Man kann es sich ganz leicht anhand eines Ampelsystems vor Augen führen, für eine kontrollierte Mahlzeit wäre es am besten jede Farbe der Ampel im Menü zu integrieren. Der Glykämische Index lässt sich in low (langsam), intermediate (mittel) und high (schnell) einteilen. Diese Einteilung bedeutet übersetzt, wie schnell Kohlenhydrate gespaltet werden und Zucker aufgenommen wird. Stichwort Einfachzucker vs. Mehrfachzucker.

In einfachen Worten anhand von Beispielen erklärt:

Rot sind alle Lebensmittel mit hohem glykämischen Index, sprich ein schneller Blutzuckeranstieg. Beispiele hierfür sind Weißbrot, Weizennudeln, Weißer Reis, Fruchtsäfte, Gummibärchen.

Gelb sind alle Lebensmittel mit mittlerem glykämischen Index wie beispielsweise Sauerteigbrot, gekochte Kartoffeln, Mais, Bananen, Schokolade, Joghurt.

Grün sind alle Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index zum Beispiel Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Beeren, Quark, Käse, Fleisch und Fisch.

So achten wir nun bestmöglich darauf, aus allen Ampelfarben unser Menü zusammenzustellen, um einen hohen, unkontrollierten Blutzuckeranstieg zu vermeiden.

Ziel ist es bei der Insulintherapie, dass wir zu den Mahlzeiten möglichst gut die Essenskurve mit der Insulinwirkung abdecken. Zumindest in der Theorie: Denn am Ende ist unser Kleiner ein ganz normaler Dreijähriger, der intuitiv und natürlich weiter Essen soll und darf, die Kopfarbeit übernehmen wir als Eltern. So manche Tricks haben wir über die Zeit entwickelt, wie wir zumindest regelmäßig gesunde Essensmahlzeiten gemanaged bekommen ohne ständig zu verzichten, masszuregeln oder gar zu überreden.

Wir lieben Essen und haben immer großen Spass dabei, das soll auch weiterhin so bleiben.