What's in my head? Kindergarten-Edition

What’s in my head? Kindergarten-Edition

So normal wie sich unser Alltag mittlerweile für uns anfühlt, möchte ich dennoch gerne einen kleinen Einblick in die vielen Entscheidungen und Überlegungen eines üblichen Tages im Kindergarten geben. Von Aussen wirkt man meist ruhig, überlegt und locker. Im Inneren kann es ganz anders aussehen. Ich wäge ab, rechne, schätze, hoffe, überspiele, rechne nochmal, wiege nach, ärgere mich, bin unsicher, habe Angst, fühle mich stark und drücke auch manchmal beide Augen zu und lächle.

  • Breaking Dawn
    Schlafenszeit, normalerweise. Oder ein Low irgendwann zwischen 3 und 5 Uhr. Bedeutet für uns: Den Kleinen kurz wecken, 50ml Haferdrink geben und meist innerhalb von 15 Minuten wieder einschlafen.
  • Happy Breaky
    Nach dem Wach-Werden machen wir uns fertig und dann schätze ich zum ersten Mal den Hunger des Kleinen ab. Dann bereite ich ein Frühstück vor, kalkuliere, wiege, rechne und gebe in etwa die Kohlenhydrate für die vorbereitete Portion ein. Je nachdem wie sich das Frühstück zusammenstellt, gebe ich die Carbs vor, während oder nach dem Essen in das PDM (Pumpen-Steuergerät) ein. Und abhängig vom Programm im Kindergarten, starten wir dann direkt in den Aktivitätsmodus, dieser drosselt die Insulin-Pumpe. Man merkt schon jetzt: Es gibt viele je nachdem’s, ob und wenn’s, abhängig von und entweder oder.
  • Kindergarten, nicht Mamagarten
    Die Werte zum Start im Kindergarten sollten passen, gerne mit etwas Puffer erhöht, aber dennoch gut reguliert, damit die Stimmung und das Wohlbefinden passt. Und dann ist es ein kleines Glücksspiel – jeden Tag. Ist die Aufregung groß, gibt das Adrenalin die Tendenz nach oben vor. Powern sie sich richtig aus, kann es auch mal ganz schön schnell nach unten gehen. Ich habe die Werte ständig im Blick und wir können mit den Erziehern wirklich zu jeder Zeit toll kommunizieren. Oftmals ändert sich die Taktik und Herangehensweise innerhalb von Minuten. Zum Mittagessen komme ich wieder in die Einrichtung. Im Kindergarten angekommen checke ich jedes Mal den Essenskalender und schätze vorab die erste Portion und darin enthaltenden Kohlenhydrate ab. Mit der schlauchlosen Omnipod5 Pumpe kann ich ganz toll auch von aussen Insulin geben, ohne dass ich den Spielfluss des Kleinen stören muss. Die Erzieher wiegen die Portionen für mich ab und wir halten uns ständig auf dem Laufenden über die gegessenen Mengen.
  • Ruhezeit, meine Stunde der Wahrheit
    Nach dem Mittagessen begeben sich alle Kinder in die Ruhezeit, das bedeutet für die Kinder ein wenig ruhiger einem Hörspiel zuhören, ein Buch lesen oder sich gemütlich mit dem Kuscheltier hinlegen. Für mich bedeutet es meistens das Gegenteil. Denn in dieser Stunde zeigt sich immer, wie die Essenskalkulation und das gegebene Insulin zusammenpasst. Zugegebenermaßen ist leider eine große Schwankung die Regel, zu viele Faktoren beeinflussen einfach drumherum. Mein Ziel ist es aber möglichst linear zu bleiben, das bedeutet viel Lernen, Üben und spontan bleiben.
  • Der Nachmittag
    Von der Einrichtung abgeholt geht es meist nach Hause. Üblicherweise steigen seine Werte immer bei der Heimfahrt, sodass ich eine Korrektur vornehmen muss. Wenn ich die Werte gut eingefangen habe, machen wir meistens eine kleine Snackrunde am Nachmittag. Diese hat in der Regel keinen Einfluss auf den Blutzucker, da der Snack sich aus ein paar Pistazien, Mandeln, Erdnüssen oder frischem Gemüse wie Gurke oder Karotte zusammenstellt. Und wenn wir einen kleinen Stupser brauchen, reicht etwas Apfel, Birne, Banane, Trauben oder anderes Obst – das liebt er sowieso.
  • Dinner for type 1
    Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein frühes Abendessen mit weniger Kohlenhydraten für einen guten Werteverlauf während der Nacht sorgen und daher auch zu einem sehr erholsamen, ruhigen Schlaf führen. Also starten wir schon früh ins Abendessen und genießen danach noch etwas Spielzeit zusammen. Das ist auch perfekt, um den Kurvenverlauf nach dem Essen noch etwas zu beobachten und rechtzeitig Maßnahmen einzuleiten.
  • Bedtime stories
    Eine so wertvolle Zeit zu zweit ist das abendliche Buchlesen vor dem Schlafengehen. Zum Einen nutzen wir diese Zeit, um den Tag gemeinsame Revue passieren zu lassen und die schönsten Erlebnisse miteinander zu teilen. Zum Anderen kann ich hier einen drohenden Unterzucker charmant mit etwas Milch zum Buchlesen umspielen. Unser wichtigstes Ziel für die Nacht ist nämlich, den Low-Alarm so gut es geht zu vermeiden. Denn eine sehr gute Zahnhygiene ist uns ebenso wichtig, wie die Blutzuckerkurve. Daher kann man sich vorstellen, dass das Zähne putzen nach einem Unterzucker um 3 Uhr früh kein so großer Spass ist. Sweet dreams!
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