Cool kids only
Ein schriller Ton der die Ruhe der Nacht durchbricht. Natürlich habe ich mein inneres Notfallsystem kalibriert und die Sensibilität zum alltäglichen Ton-und Piepse-Halleluja ist stets auf höchster Stufe. Es läuft immer ähnlich: Ich schlafe – meist sehr gut und tief. Ich höre. Ich verifiziere. Und dann stehe ich ohne zu zögern auf. Der Körper verfällt sofort in einen fitten & fähigen Modus, nur so lassen sich Entscheidungen oder Lösungen sofort treffen.
In unserem Fall von heute Nacht: Fehlermeldung beim Sensor. Aber leider die Worst-Case-Meldung, der Sensor geht nicht mehr und man muss sofort einen Neuen setzen. Wir wägen nur ganz kurz ab, die Nacht ohne Sensorwert zu verbringen, aber im Closed-Loop-System mit der Insulinpumpe ist das nicht sehr ratsam, noch dazu durchleben wir mal wieder eine Honeymoonphase und die Werte machen was sie wollen. Als ich langsam den Arm frei lege und desinfizieren will, fängt unser schlafender Sohn an mit mir zu sprechen. Er ist ebenfalls sehr routiniert und klärt eben noch mit mir ab, warum denn der Sensor kaputt ging und er ja jetzt eine kleine Folge seiner Lieblingsserie beim Anbringen des Sensors anschauen dürfe. Also sitzen wir an einem ganz normalen Donnerstag um 1 Uhr nachts mit Taschenlampe im Kinderzimmer meines 3-Jährigen, schauen Bluey mit meinem Iphone im Bett währenddessen wir mit einem neuen Sensor unser Glück versuchen.
Hätte man mir diese Situation vor einem Jahr beschrieben, hätte ich nahezu alles daran verurteilt. Keine Bildschirm-Zeit, besonders nicht im Schlafzimmer und nochdazu keine bunten, wilden Kinderserien wie Paw Patrol und Co. So ändern sich Prioritäten und besonders – der Blick für das Richtige. Natürlich versuchen wir in jeder Sekunde abzulenken, Schmerzen zu lindern und am Wichtigsten: Positiv zu bleiben. Mir ist die positive Assoziation mit T1D so wichtig, denn es wird ja immer ein Teil von uns sein und daher haben wir uns entschieden, die Zeit zusammen mit BIG D so schön wie möglich zu gestalten.
Nach etwas über 5 Minuten ist alles erledigt: Sensor gesetzt & Serie ist geguckt. Und nun? Mit einer Selbstverständlichkeit packen wir die Handys weg, die Taschenlampe aus und wir starten alle wieder ins Land der Träume. Also ich dann nach dem Aufwärmen des Sensors in 25 Minuten.
Die größte Bewunderung gilt aber wieder meinem Sohn: Denn wer wacht mitten in der Nacht mit einer Gelassenheit auf, lässt sich mal gemütlich eine neue Kanüle in den Oberarm setzen und macht nach (nur) einer Mini-Kinderfolge anstandslos das Handy aus und schläft unmittelbar danach wieder ein, so als ob garnichts gewesen wäre? Also der Kleine ist schon ziemlich cool & selbst in dieser Nacht geht er mit so gutem Beispiel voran, dass man mit Gelassenheit und Ruhe selbst die nervigsten Situationen friedlich und positiv meistern kann – ein richtiges cool kid eben.



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